Hubschrauberlandeplätze (PIS) sollen Flugverbot für Drohnen erhalten

  • Landeplatz Rettungshubschrauber PIS

Warum müssen Drohnen vom Flughafen 1,5km Abstand halten?

Drohnen dürfen nicht näher als 1,5km (gemessen ab dem Flughafenzaun) zum Flughafen fliegen. So lautet die aktuelle Regel. Das scheint ein großes Gebiet, aber hängt vor allem an den flachen Anflug- und Abflugwinkel der großen Flugzeuge. Typischerweise sind internationale Flughäfen sind mit 3° +/- 0,2° anzufliegen. Das bedeutet, in einer Entfernung von 1500m vom Aufsetzpunkt ist das Flugzeug gerade noch 78m hoch. Da ist also schon jetzt nicht viel Platz, wenn nur die maximale Höhenbegrenzung von 100m einhält. An Verkehrsflughäfen mit Kontrollzone gilt daher zusätzliche die Regelung, dass in Kontrollzonen eine Verkehrsfreigabe nur bis max. 50m erteilt wird. Da dies automatisch als ohne Antrag erfolgt, ist das sehr komfortabel. Flugsicherungen und Vertreter der FAA bestätigen mir, diese Regelung ist genial einfach, verständlich und sehr progressiv.

Grafisch sieht das im Falle Berlin Tegel so aus. Bei einem typischen Anflug von 3° ist ein Flugzeug gerade einmal 100m hoch, wenn es die Havel überquert.

Absolute Höhe über Grund bei Anflug Winkel (3°) in Berlin Tegel (TXL)

Absolute Höhe über Grund bei Anflug Winkel (3°) in Berlin Tegel (TXL)

Gerade beim Anflug ist das Flugzeug schlecht zu manövrieren, die Piloten sind konzentriert um die Landebahn zu treffen und ihre Fluggäste pünktlich abzuliefern. Aber noch viel schlimmer sind die Triebwerke. Jeder der darauf achtet hört, dass die Triebwerke im Anflug fast im Leerlauf drehen. Um nun wieder auf volle Leistung zu kommen, benötigt ein Triebwerk Zeit. Es ist schließlich kein Vierzylinder. Zunächst muss mehr Kerosin einfliessen, verbrennen und die ganze Masse der Triebwerks-Schaufeln muss wieder beschleunigt werden. Zusätzlich beeinflusst die niedrige Fluggeschwindigkeit und daher die relativ geringe Luftmenge die ins Triebwerk gedrückt wird diesen Effekt. Laut Aussage eines Kapitäns können bei einer Boeing 777 bis zu 7 Sekunden verstreichen, bis aus dem Leerlauf Vollast erreicht wird.

Welcher Abstand müssen Drohnen von Helipads halten?

Bei Landeplätzen für Helicopter gilt die Regelung gleichermaßen. Als eingetragener Flugplatz muss der UAS Pilot ebenfalls 1,5km Abstand waren. Allerdings haben die meisten Helipads keinen Zaun und daher wird oftmals die Platzmitte ersatzweise genommen. Wer sich fragt warum ein solch großer Kreis notwendig ist, dem rate ich einen Helikopter Piloten anzusprechen. Helikopter und übrigens auch Drohnen können zwar gut an einer Stelle stehen, senkrecht starten und quer versetzen. Ein Manöver gilt allerdings unter den Helikopter Piloten als kritisch: das senkrechte Sinken. Ein Helikopter wird daher immer versuchen mit einer Vorwärtsbewegung zu landen und benötigt somit für An- und Abflug ebenfalls Bereich, um zu sinken/steigen. Warum kann man unter Wirbelringstadium oder Vortex-Ring nachlesen. Nebenbei auch ein Grund, warum viele Drohnen schneller steigen als sinken, denn dabei kann es zum selben Effekt kommen.

Welche Regel gilt bei Public Interest Sites (PIS), also Plätzen die nicht in Luftfahrer Karten stehen?

Die sogenannte Außenlandegenehmigung erlaubt Hubschrauberpiloten außerhalb von Flugplätzen zu landen. Aber wie bei uns Drohnenpiloten, die eine Einverständniserklärung benötigen, verhält es sich bei bemannten Luftfahrzeugen auch. Es bedarf dem Einverständnis des Eigentümer und eine entsprechende Sicherung. Zudem sollten Hubschrauberpiloten vor dem Anflug wissen, ob es Stromleitungen oder andere Gefahren in der Nähe gibt. Seit 2014 gilt zudem die europäische Verordnung (EU) Nr. 965/2012 die besondere Regelungen für Landestelle z.B. in der Stadt vorsieht.  Das Unterhalten eines solchen Landeplatzes und dessen Dokumentation ist teuer. Deshalb hat man für rund 2300 Landestellen eine Regelung gefunden, die die Kosten für Betreiber von Hubschraubern und Landeplatz senkt. Diese Ladeplätze werden Public Interest Sites (PIS) genannt. Jedoch eine Regelung, wie mit diesen Landestellen bzgl Drohnen umgegangen wird, existiert nicht.

Was sind PIS Landeplätze?

Für die Widmung eines Landeplatzes als PIS gelten folgende Regeln:

1. Die bestehende Landestelle muss vor dem 1. Juli 2002 genutzt worden sein.

2. P I S dürfen nur am Tage angeflogen werden, es sei denn, dass Luftfahrtunternehmen verfügt über eine Genehmigung, nutzt entsprechende Systeme (u.a. Nachsichtgeräte) für An-/Abflüge und die P I S ist ausreichend ausgeleuchtet.

3. P I S müssen sich am Boden befinden. Dachlandestellen als P I S können auf Antrag eines Luftrettungsunternehmens, nach Einzelfallprüfung durch das Luftfahrtbundesamt, zugelassen werden.

4. Für jede P I S müssen vom Luftfahrtunternehmen ortsspezifische Flugverfahren entwickelt und kartografisch dokumentiert werden.

5. Die Mindestgröße der Aufsetz- und Startfläche beträgt 15 × 15m bzw. Ø 15m mittig innerhalb einer Hindernisfreifläche von Ø 28m, um die Mindestanforderungen gem. Betriebshandbuch zu erfüllen.

6. Die P I S muss als solche erkennbar sein, d.h., sie ist zur Unterscheidung von einem Landeplatz nach § 6 LuftVG andersartig markiert.

7. Es müssen ein Windsack vorhanden sein und ein fahrbarer Schaum-Feuerlöscher bereitgestellt werden.

8. Die Landestelle muss bei Flugbetrieb gegen unbefugtes Betreten gesichert sein.

9. Die Betriebssicherheit der P I S ist auf Dauer sicherzustellen!

Welche Einschränkungen werden PIS für Drohnen darstellen?

In myFLY.zone habe ich mich entschieden, die PIS aufzunehmen und gelb darauf hinzuweisen, dass hier möglicherweise erhöhter Verkehr zu erwarten ist. Der Drohnenpilot sollte in jedem Fall bereit sein auszuweichen.

Weiterhin habe ich für myFLY.zone beim BMVI und den Landesbehörden nachgehakt, ob die Regelung für Helipadsauch für PIS anzuwenden ist. Und tatsächlich, es gibt dafür keine Regelung bis jetzt. Der Deutsche Hubschrauber Verband in Bückeburg DHV hat den Fall diskutiert und dem BMVI eine Stellungnahme abgegeben. Mir liegt diese vor und stand heute ist es sehr wahrscheinlich, dass der Wortlaut in der neuen LuftVO übernommen wird.

Der Abflugwinkel von Hubschraubern wird vom DHV mit einer durchschnittlichen Steigleistung und typischen Wetterbedingungen mit 10° angenommen. Wie beim Anflug von Flugzeugen kann im selben Maße grafisch berechnet werden, im welchem Bereich der Hubschrauber wahrscheinlich unter 100m fliegen wird.

Absolute Höhe über Grund bei Abflug Winkel (10°) von Berlin Krankenhaus

Absolute Höhe über Grund bei Abflug Winkel (10°) von Berlin Krankenhaus

Der Deutsche Hubschrauber Verband fordert ein Flugverbot über Hubschrauberlandeplätzen und -landestellen (PIS) sowie im Umkreis von 750m. Er begründet diese Forderung, dass der Hubschrauber erst nach 567m die 100m Marke überschreitet. Bei eine Kreis mit 1,5km Durchmesser um den Landeplatz ist nur ein kleines Polster von 30m zwischen der legalen Flughöhe der Drohne und dem Helikopter zu erwarten. Die Forderung ist daher einleuchtend.

Es ist daher denkbar, dass die neue LuftVO 750m Radius lass Flugverbotszone um PIS übernimmt. Schön wäre, wenn dann die bisherigen 1,5km an den veröffentlichten  Landeplätzen gleichermaßen auf 750m reduziert werden. Das wäre ein echter Gewinn. Zusätzlich hätte Drohnenpiloten endlich einen Richtwert, wie nah man an Unfälle und Orte mit Hubschraubereinsatz (ohne Flugverbotszone / NOTAM Veröffentlichung) ran sollte. Sobald die Regelung bestätigt ist, werde ich es veröffentlichen.

 

By | 2016-11-18T13:45:55+00:00 18.11.16|News|Kommentare deaktiviert für Hubschrauberlandeplätze (PIS) sollen Flugverbot für Drohnen erhalten

About the Author:

Michael Wieland ist Privatpilot und Gründer der COPTERview airDATA UG, die das Portal myFLY.zone betreibt.