Was ist der Luftraum Golf – ‘G’ und wie darf ich den mit meiner Drohne nutzen?

Sicheres Fliegen mit UAS, Drohnen, Flugmodellen und anderen Fluggeräten bedingt, dass sich Piloten mit den Regeln der Luftfahrt auseinandersetzen. Sobald ein bemanntes oder unbemanntes Fluggerät den Boden verlässt, befindet es sich im Luftraum. Das schöne ist, in Deutschland gibt es einen unkontrollierten Luftraum G (gesprochen Golf) der Piloten noch große Freiheiten lässt.

Zusammenfassung zum Luftraum Golf – ‘G’

In Deutschland gilt Luftraum Golf immer dort, wo keine andere Einschränkungen (z.B. Kontrollzonen von Flughäfen) ausgewiesen sind.
Luftraum ‘G’ reicht meist vom Boden bis 2500ft (Fuß, etwa 750m), nahe Flughäfen ist ‘G’ teilw. abgesenkt auf 1700ft und 1000ft (etwa 500m und 300m).
Die Sicht zum Fluggerät muss immer gegeben sein. Herannahende Flugzeuge solltest du darüber hinaus unbehindert sehen können (mind. 1,5km weiter als das Fluggerät)
Vor den Einflug in kontrollierte Zonen (RMZ) Kontakt musst du mit der Flugleitung des Flugplatzes aufnehmen.

Wo finde ich den Luftraum Golf – ‘G’?

Die Luft über unseren Köpfen ist nicht strukturlos, sondern strikt nach internationalen Regeln aufgeteilt. Es gibt Unterteilungen nach der Höhe sowie dem Ort.

Wenn kein anderer Luftraum ausgewiesen ist, wie in der Nähe von Flughafen oder Sperrgebieten, gilt in Deutschland der Luftraum „G“. Er beginnt am Boden und reicht bis maximal 2500ft (etwa 750m) im dem Boden. Innerhalb dieses Raums gelten internationale Regeln, an die sich alle am Luftverkehr Beteiligten halten müssen.

Kontrolliert die DFS den Luftraum Golf – ‘G’ ?

Die Deutsche Flugsicherung DFS kontrolliert Flugbewegungen im Luftraum „G“ nicht. D.h. Flugzeuge werden nicht per Radar oder ähnlichen Hilfsmittel geleitet. Es muss nicht einmal Funkkontakt mit einem Fluglotsen hergestellt werden. Damit kann die DFS Piloten nicht mal über Fluggeräte warnen, selbst wenn diese auf dem Radar erscheinen.

Werden Piloten der bemannten Luftfahrt über Drohnen und Modellflüge im Luftraum Golf – ‘G’ informiert?

Durch NOTAMS (Notifications To Airmen) werden außergewöhnliche Vorkommnisse im Luftraum bekanntgegeben. Die Information ist kostenfrei als Text oder Bild bei der DFS zu erhalten (www.dfs-ais.de/). Darin enthalten sind Information über genehmigte Aufstiege von Modellflugzeugen, Ballonen sowie Raketen usw., die eine entsprechende Zone beantragt haben. Über alle sonstigen Flüge unbemannter Fluggeräte kann sich ein Hubschrauber- oder Flugzeugpilot nicht informieren und muss sich darauf verlassen, dass diese immer ausweichen.

Was sind die wichtigsten Regeln im Luftraum Golf – ‘G’ ?

Im Luftraum „G“ müssen minimale Sichtweiten eingehalten werden. Da die Flugsicherung die Abstände der einzelnen Fluggeräte steuert, wurden die minimalen Sichtweiten so berechnet, dass bei Kollisionskurs ein Ausweichen möglich ist.

So gilt im Flachland unter 3000m über dem Meeresspiegel bis zu einer Höhe von 1000ft (ca. 300m) über Grund, ein Mindestsichtweise nach vorne für

  • Hubschrauber von 800m
  • Flugzeuge von 1,5km

wenn sie nicht schneller als 140kt (ca. 250 km/h) fliegen.

Zudem dürfen Wolken nicht berührt werden und es muss ständig Sicht zum Boden bestehen.

Über 1000ft (ca. 300m) über Grund und im Gebirge über 3000m über dem Meeresspiegel sind sogar 5km Sicht nach vorne, 1500m Abstand zu Wolken Pflicht. Außerdem muss ein Abstand von 1000ft unterhalb von Wolken eingehalten werden.

Was bedeuten die Luftraum Golf – ‘G’ Regeln für Piloten unbemannter Fluggeräte

Es gibt keine speziellen Gesetze für Piloten unbemannter Fluggeräte im Luftraum „G“. Übersetzt man allerdings die Regeln der bemannten Luftfahrt, muss der Steuerer ständig Sicht zum Fluggerät haben und ohne technische Hilfsmittel die Fluglage des Fluggeräts erkennen können. Vielmehr sollte der Steuerer den Luftraum so beobachten können, dass er herannahende Flugzeuge erkennen kann.

Da wir davon ausgehen können, dass Piloten der bemannten Luftfahrt Drohnen und Modellflugzeuge nicht erkennen können, müssen also Drohnen und Modellflugzeuge immer ausweichen. So fordern es auch die Landesbehörden in ihren Aufstiegsgenehmigungen.

Wir raten daher die eigene Position so zu wählen, dass der Steuerer ein anfliegendes Flugzeug erkennen kann. Das sollten mindestens 1,5km über das Fluggerät hinaus sein.

Schlechtes Wetter, niedriger Sonnenstand sowie Gebäude, Bäume und Hügel können diese Sichtweite schnell einschränken.

Wie wird die Höhe in der Luftfahrt angegeben?

Höhenangaben können leicht missverstanden werden, da die Angaben zum einen über Meeresniveau und über Grund erfolgen. Ohne Zusatz gelten alle Werte gemessen über dem Meeresspiegel, bei Standartdruck und Temperatur. Bei Angaben über Grund wird AGL (Above Ground Level) nach den Ziffern ergänzt. Grundsätzlich werden alle Angaben in Fuß (ft, etwa 30cm) gemacht, außer eine andere Einheit wird ausdrücklich angegeben.

Ist der Luftraum Golf – ‘G’ immer 2500ft (ca. 750m) hoch?

Nein, in der Nähe von Flughäfen wird die Höhe von Luftraum „G“ abgesenkt und zwar zunächst auf 1700ft (ca. 510m) und 10NM um den Flughafen auf 1000ft (ca. 300m).

Gibt es Einschränkungen des Luftraum Golf – ‘G’ bei Flughäfen ohne Kontrollzone?

Flughäfen für die keine Kontrollzone eingerichtet ist und dennoch Instrumentenflugverkehr abfertigen, gilt zwar Luftraum „G“ jedoch mit der Erweiterung RMZ (Radio Mandatory Zone). Die Sicht- und Verhaltensminima gelten weiter, jedoch muss vor der Einflug in die RMZ, Funksprechverkehr mit dem Flugplatz hergestellt werden. Es gibt hinsichtlich Drohnenpiloten keine Regelung bis jetzt, allerdings sollte in jedem Fall vor dem Aufstieg ein Anruf bei dem jeweiligen Flugplatz erfolgen.

Aktuell sind bei folgenden Flugplätzen in Deutschland RMZ eingerichtet:

  • Kiel-Holtenau (EDHK)
  • Barth (EDBH)
  • Wilhelmshaven “JadeWeserAirport“ (EDWI)
  • Emden (EDWE)
  • Magdeburg/City (EDBM)
  • Cottbus-Drewitz (EDCD)
  • Allendorf/Eder (EDFQ)
  • Siegerland (EDGS)
  • Bautzen(EDAB)
  • Coburg-Brandensteinsebene (EDQC)
  • Haßfurt-Schweinfurt (EDQT)
  • Bayreuth (EDQD)
  • Giebelstadt (EDQG)
  • Schwäbisch Hall (EDTY)
  • Straubing (EDMS)
  • Donauwörth HEL (EDPR)
  • Eggenfelden (EDME)
  • Oberschleißheim HEL (EDMX)
  • Mengen-Hohentengen (EDTM)
  • Donaueschingen-Villingen (EDTD)

Kann ich also im Luftraum Golf – ‘G’ mit meiner Drohne oder Flugmodell frei fliegen?

Nein, die Freizügigkeit des Luftraum „G“ steht im direkten Zusammenhang, dass unbemannt Flugsysteme (UAS) ohne Sondergenehmigung in Deutschland bis maximal 100m über Grund begrenzt sind. Lediglich Flugmodelle und Drohnen im Rahmen des Sports und Freizeitgestaltung unter 5kg und ohne Verbrennungsmotor können in Genuss dieser Regelungen kommen, wenn keine anderen Regeln oder Verordnungen greifen.

By | 2016-10-19T23:50:26+00:00 04.03.16|Bodenpiloten|2 Comments

About the Author:

Michael Wieland ist Privatpilot und Gründer der COPTERview airDATA UG, die das Portal myFLY.zone betreibt.

2 Comments

  1. Michael Wieland März 6, 2016 at 3:57 pm

    Wir haben die RMZ Bremerhaven heraus genommen, diese wurde Ende 2015 zurück genommen.

  2. versicherungdrohne.de November 27, 2016 at 3:10 am

    Es ist laengst ueberfaellig, dass Quadropcopter Fliegerei mal richtig vernuenftig reguliert werden in Deutschland.

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